Lichttechnik bei TEN SING

von Philipp Jardas, philipp@jardas.de

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Tipps und Tricks

Dieses Kapitel soll zu einem Art Nachschlagewerk werden für Probleme und Fehler aller Art, die auftreten können. Wenn ihr Vorschläge habt, lasst es mich sofort wissen!

Nebel

Nebel ist im Allgemeinen nur dazu da, um Lichtstrahlen sichtbar zu machen. Sein Sinn ist nicht, die Bühne wirklich einzunebeln, ausser in speziellen Fällen. Für gewöhnlich stört zu viel Nebel, da durch ihn der Chor an Stimme verliert und an Husten gewinnt. Ausserdem machen hohe Dichten das Frontlicht sichtbar, was normalerweise nicht gewünscht wird. Wenn ihr keine regelbare Nebelmaschine habt, heisst die Devise: Sobald ein Lied zu Ende ist, wieder ein wenig auf die Taste drücken. Vor dem Anfang des nächsten Liedes ist Ruhe. Einerseits, um dem Nebel Zeit zum Verteilen und dem Chor zum Durchatmen zu geben, andererseits, weil das Nebelzischen sich sehr schlecht auf Aufnahmen macht und schon so manches Recording unbrauchbar gemacht hat. Ein kleiner Trick, um Bodennebel zu erzeugen: Bohre in eine Plastikwanne zwei grosse Löcher, so dass du eine Metallröhre durchstecken kannst. Das Ganze abdichten und kaltes Wasser einfüllen. Wenn du jetzt am einen Ende mit der Nebelmaschine reinpustest, bekommst du schweren, wattigen Nebel.

Besser als jede Nebelmaschine sind sogenannte »Hazer«, also Dunstmaschinen. Diese erzeugen einen kaum sichtbaren Dunst, der genau den richtigen Effekt hat.

Farbiges Frontlicht

Heikles Thema. Eigentlich ist das bei TEN SING der meistgesehene Fehler überhaupt. Grüne Gesichter sind einfach hässlich. Blau bringt sowieso keine Lichtleistung (nichtmal 15% gegenüber weiss). Bleiben nur noch Rot- und Gelbtöne. Das sind auch die einzigen Farben, die von vorne Sinn machen. Warme Farben kommen allerdings automatisch, wenn ihr Kunstlichtscheinwerfer (alle oben beschriebenen ausser Multifunktionsleuchten) mit unter 80% Leistung fahrt. Ich bin prinzipiell gegen jede Farbfolie vor Frontlichtscheinwerfern, aber viele werden mir hier widersprechen…

Selten kann man farbiges Licht gut gebrauchen, um eben gerade obige Effekte zu erreichen: Den Solisten weiss beleuchten und den Rest (Band und Chor) in rotes Licht eintauchen. Mir persönlich gefällt die Variante besser, bei der man alle von vorne weiss anleuchtet und von hinten die Farben gibt. Hat denselben Effekt, ausser dass man die Gesichter und Körper von Band und Chor noch erkennen kann.

Im Theater wird manchmal farbiges Frontlicht gewünscht. In diesem Falle würde ich aber stets eine Kombination anwenden, beispielsweise steil von rechts und links grünes Licht, um den Farbeffekt zu erzielen, von vorne oben aber weisser Spot, um dem Gesicht Kontraste zu geben.

Umbaulicht

Während den Pausen zwischen den Liedern absolute Dunkelheit herrschen zu lassen kann zu lustigen unfreiwilligen Showeinlagen der Requisiteure führen. Um das zu verhindern benutzt man während den Umbaupausen ein Umbaulicht, das dezent und dunkel sein sollte. Hierfür eignen sich zwei hellblaue Scheinwerfer von vorne, die auf 50% aufgedreht werden. Alternativ kann man auch die blauen Scheinwerfer von hinten ein bisschen aufziehen.

Summen auf den Tonkabeln

Das kommt von gedimmten Lastkabeln, die parallel zu Tonkabeln verlegt wurden. Durch die Oberwellen, die von den Dimmerpacks beim Phasenanschnitt erzeugt werden, gelangen Einstreuungen in die Tonkabel. Dieser Effekt tritt nur bei Leuchten auf, die gedimmt werden, nicht aber bei normalen Stromkabeln, Starkstromkabeln oder DMX-Leitungen. Eine Lösung ist die Platzierung der Dimmer und der Lastkabel unter der Bühne, währen die Tonkabel auf der Bühne liegen. Müssen Leitungen doch einmal gekreuzt werden, verhindert ein Winkel von 90° das Schlimmste.

Hot Patching

Unsere Standardbühne verwendet vier Stative mit jeweils vier Leuchten (2x 4bar und 4x Stufenlinse). Dafür verwenden wir einen 12-Kanal-Dimmer, der normalerweise zwei Harting- Ausgänge hat mit je vier Kanälen. Wie bringen wir das nun auf die vier Lastkabel, die dann zu den entsprechenden Stativen führen? Die Lösung heisst Hot Patching. In unserem Falle hätten wir ein Rack mit zwei Harting-Eingängen und vier Harting-Ausgängen. Effektiv haben wir also die zwölf Eingangskanäle, die wir auf die vier mal sechs Ausgangskanäle »patchen« müssen. Dazu ziehen wir an einem Art Steckbrett von jedem Eingangskanal eine Verbindung zu dem Ausgangskanal, der von diesem Kanal bedient werden soll. Es ist auch möglich, einen Eingang mit mehreren Ausgängen zu verbinden, um Kanäle zu sparen. So können wir zum Beispiel Einganskanal 1-4 jeweils auf Kanal 1-4 der Frontstative, Kanäle 5-8 auf das linke Effektstativ und 9-12 auf das rechte Effektstativ legen.

Verfolger

Die Bedienung eines Verfolgerscheinwerfers ist nicht annähernd so einfach und intuitiv, wie es den meisten scheint. Hier braucht man eine Menge Übung und vor allem Kenntnis der Show! Einige Richtlinien: Den Lichtkegel lieber etwas zu gross als zu klein machen, auf keinen Fall die Füsse abschneiden, das Zentrum des Strahls ist nicht der Kopf sondern der Oberkörper. Bei Theater, Tänzen und Chorliedern hat der Spot nichts zu suchen. Finger weg von den Farbscheiben! Ein Spotlight ist immer und absolut immer weiss. Halt die Kiste ruhig – wenn sich der Solist viel auf der Stelle bewegt, gib ihm einen grösseren Kegel und lass den Spot einfach stehen.

Tricks aus dem Theater

Wenn ihr eine Bühne habt, die nach oben viel Freiraum und dort auch Aufhängemöglichkeiten bitet, solltet ihr Oberlicht unbedingt in Erwägung ziehen. Zwei starke Stufenlinsen oder HMI-Fluter leuchten senkrecht von oben auf die komplette Bühne. Der Vorteil ist, dass sie nur den Boden beleuchten, wenn keiner da steht. Wenn jemand da steht, bietet das Oberlicht eine perfekte Ergänzung zum Frontlicht.

Um einen geheimnisvollen oder gruseligen Effekt zu erzielen, blast gekühlten auf die Bühne, der dann mehr oder weniger am Boden bleibt. Dann arbeitet ihr mit zweilagigem Licht, zum Beispiel unten weiss, oben rot.

Habt ihr Mädchen mit langen Haaren (hat ja wohl jeder Ten Sing), kommen selbige – insbesondere bei Locken – am besten zur Geltung, wenn sie von hinten mit weissem Licht zusätzlich aufgehellt werden. In Verbindung mit Nebel ergibt das einen wunderschönen Engel-Effekt. Generell ist weisses Licht von hinten, oben und der Seite gerade beim Theater nie falsch.

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