Lichttechnik bei TEN SING

von Philipp Jardas, philipp@jardas.de

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Technik

Mit Scheinwerfern alleine habt ihr noch kein Licht gemacht. Deswegen kommt in diesem Kapitel eine Auflistung der Dinge, die man sonst noch braucht. Natürlich gibt es noch deutlich mehr, was man zum Basteln so benötigt, aber ich werde hier einmal die grundlegenen Begriffe und Geräte erläutern.

Dimmer

Der Dimmer ist das Herzstück der ganzen Lichtanlage. Er regelt die 230V Netzspannung herunter auf gerade so viel Prozent, wie man vom Pult aus einstellt. Das funktioniert durch sogenannten Phasenanschnitt. Der am Ausgang angehängte Scheinwerfer erhält eine Spannung, die bei jeder Halbwelle der sinusförmigen Eingangsspannung um einen einstellbaren Phasenwinkel vor dem Nulldurchgang eingeschaltet und beim Nulldurchgang wieder ausgeschaltet wird. Dadurch kommt bei einem eingestellten Winkel von 180° 100% der Eingansspannung an, bei 0° kommt genau nichts an. Der Nachteil dieser Art der Spannungsverminderung ist, dass durch das Abhacken der Schwingung viele Oberwellen entstehen, die von den Elektrizitätswerken überhaupt nicht gerne gesehen werden. Bei Anlagen mit weniger als 100kW spielt das praktisch keine Rolle. Wird mehr Leistung verbraucht, gibt es Dimmer, die mit Phasenabschnitt arbeiten, also dem entgegengesetzten Prinzip zum Phasenanschnitt. Durch geschicktes Mischen dieser beiden Dimmerarten kann man die Oberwellenbelastung minimieren. Übrigens: Wenn du von diesem Absatz absolut nichts verstanden hast, ist das auch nicht schlimm. Man muss kein Elektroingenieur sein, um Licht zu machen. Dies war nur ein kleiner Exkurs für den geneigten Leser…

Drehstrom

Das wichtigste überhaupt: Ohne Strom geht gar nichts. Und weil wir mit hohen Leistungen und Strömen arbeiten, reicht ein kleiner Schuko-Stecker nicht aus. Wir brauchen also Drehstrom, Starkstrom, Dreiphasenstrom oder wie man ihn auch immer nennen mag. Das sind die dicken Kabel mit den fünfpoligen rot-orangenen Steckern dran. Wieviel Strom man braucht, kann man sich einfach ausrechnen: Addiere alle angehängten Lasten (Scheinwerfer) in Watt und teile durch 230V, dann erhälst du grob den Maximalstrom in Ampere, der fliessen kann. Natürlich ist das nur eine kleine Überschlagsrechnung, aber wenn du so viel Strom zur Verfügung stellst, kann nicht viel schief gehen. Wichtig: Bei Wechselströmen werden für die Spannung Durchschnittswerte angegeben. Da die Spannung aber sinusförmig ist, ist der Maximalwert um den Faktor 1,41 höher, also 324V bei 230V Netzspannung.

Lastkabel

Sie transportieren, ähnlich dem Multicore beim Ton, in einem dicken Kabel mehrere dünnere Kabel auf ein Stativ, um zum Beispiel 6 Scheinwerfer mit einem einzigen Kabel zu versorgen. Von den Tontechnikern wegen ihrer einstreuenden Oberwellen oft »Schweinekabel« genannt. Angeschlossen werden sie meist über sogenannte Harting-Stecker, schwere Metallsteckverbindungen mit Sicherheitsverriegelung. Vorsicht: In manchen Nationen wird im Stecker die Masse auf einen Pin gelegt, der hier in Deutschland nach DIN einen Kanal (also Strom) führt. Diese nette Kurzschlussschaltung wird liebevoll »FI booster« genannt.

Lichtpult

Von hier aus steuert der Lichttechniker die Anlage. Wird auch »Stellwerk« (im Theater) oder in Österreich »Regulierung« genannt. Der Ort, an dem die Ton- und Lichtpulte stehen, wird von den Tontechnikern FoH genannt, dieser Begriff hat sich auch beim Licht weitgehend durchgesetzt. Näheres folgt im Kapitel »Das Lichtpult«.

Rigging

Rigging ist der Überbegriff für alles, woran man Dinge aufhängt. Streng genommen zählen Stative nicht dazu, aber wer wird schon so kleinlich sein… Im Normalfall wird man Scheinwerfer an Aluminium-Röhren aufhängen, die dann quer auf ein Stativ geschraubt werden. Bei grösseren Anlässen benutzt man Traversen. Das sind mehrere durch Diagonalstreben versteifte Aluröhren, meist drei oder vier. Diese haben eine deutlich höhere Traglast, vor allem kann man damit grosse Strecken überwinden und mitten über die Bühne Scheinwerfer aufhängen, wo Stative recht fehl am Platz wären. Auf grossen Bühnen sieht man kein einziges Stativ, alle Leuchten sind an Traversen, die hoch über der Bühne kreuz und quer hängen, »geflogen«, sprich oben aufgehängt. Gleiches gilt übrigens für den Ton: Es ist sicherlich nicht verboten, Longthrows am Rigg aufzuhängen!

Bei grossen Events werden die Traversen selber an der Decke mit Hilfe von Kettenaufzügen befestigt. Kleinere Events bauen eine Art Brücke mit den Traversen, da kleine Hallen oft keine Möglichkeit bieten, tonnenweise Material an die Decke zu hängen. Letzte und unschönste Variante sind Bodenlifte, die ähnlich aussehen und funktionieren wie Gabelstapler ohne Auto drunter. Vorteil der Varianten eins und drei ist, dass man das Truss knapp über dem Boden aufbauen, bestücken und verkabeln kann und es dann komplett hochzufahren. Bei der mittleren Variante des starren Truss muss man von einer Leiter aus die Scheinwerfer hängen und verkabeln, was etwa dreimal so lange dauert und zudem gefährlicher und anstrengender ist.

Verkabelung

Der Dimmer wird vom Pult aus gesteuert über ein klassisches XLR-Kabel, nennt sich beim Licht DMX-Kabel (toll, oder?). Leider wurde mal festgelegt, dass der Standard für DMX fünfpolige XLR-Stecker sein sollen, obwohl nur drei Pins benutzt werden. Benutzt werden also normale XLR-Kabel, an die man an jedem Ende einen Adapter auf 5poliges DMX anstöpselt. Man kann also einfach einen Kanal am Multicore nehmen und von der Stagebox zu den Dimmern eine XLR-Strippe legen. Einige Leute werden mir jetzt aufs Dach steigen, da die Leitungsimpedanz von DMX- und XLR-Kabeln nicht identisch ist und durch die Fehlanpassung Reflexionen und damit Signalverfälschungen entstehen. Meine Meinung ist, dass man diese Effekte kaum bemerkt.

Die Platzierung der Dimmer ist ein heikles Thema. Ein idealer Standort ist unter oder seitlich neben der Bühne mit unter der Bühne verlegten Lastkabeln, da die Tonkabel normalerweise auf der Bühne verlaufen. Jetzt noch die Kabel zu den Stativen gezogen, in Mehrfachsteckdosen oder direkt in die Bars eingesteckt, Leuchten in die passenden Steckdosen einstöpseln – fertig. Werden Traversen benutzt, stellt man die Dimmer in die Nähe eines Stativs und zieht von dort alle Kabel auf das Truss.

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